|Rezension| Todesengel von Andreas Eschbach – Hörbuch

Autor: Andreas Eschbach
Sprecher: Matthias Koeberlin
Verlag: Lübbe Audio (20.09.2013)
Dauer: 16 Stunden 26 Minuten (ungekürzt)
Sprache: Deutsch
Genre: Thriller
Reihe: –

Todesengel

Darum geht´s:

Erich Sassbeck wird Opfer von Jugendgewalt, weil er Zivilcourage beweist und helfen will. Er wird auf brutale Art verprügelt und die zwei Jugendlichen hätten ihn wahrscheinlich sogar getötet wenn, ja wenn nicht ein Engel in der U-bahn aufgetaucht wäre. Ein Engel mit weißem Haar und einer Pistole, der kurzerhand die beiden Jugendlichen erschießt und genauso spurlos wieder verschwindet, wie er aufgetaucht ist. Die Polizei ist ratlos, keine Spur am Tatort weißt auf die Aussage von Erich Sassbeck hin, dass tatsächlich ein Engel eingeschritten ist. Darum geht sie davon aus, dass der alte Mann selbst geschossen hat, doch in der Stadt häufen sich die Vorfälle.

Bald schon ist der Racheengel in aller Munde. Er ist überall dort, wo Unrecht geschieht und macht kurzen Prozess. Er beschützt die Schwachen in dem er die „Bösen“ tötet.

Der Journalist Ingo Praise ermittelt zunächst auf eigene Faust und bekommt sogar eine eigene TV Show, die sich „Anwalt der Opfer“ nennt. Hier nimmt er den Todesengel und seine Taten in Schutz und ruft damit indirekt zur Selbstjustiz auf, was der Polizei natürlich überhaupt nicht passt. Hinzu kommt, dass sie auch nach etlichen Fällen noch immer im Dunkeln tappt und es noch keine Spur vom Todesengel gibt. Ist es tatsächlich Gottes Rache? Gibt es tötende Engel?

Meine Meinung:

Todesengel ist auf Grund seiner Thematik aktuell wie nie. Die Medien berichten ständig von Gewalttaten bei denen mutige Menschen sterben mussten, die Zivilcourage zeigten. Wenn nun ein Engel diese mutigen Menschen beschützen würde und die Täter ermordet, wäre das so falsch? Wer ist Opfer? Wer ist Täter? Genau diese Frage stellt Eschbach im Buch immer wieder und der Leser wird nachdenklich. Selbstjustiz ist nicht erlaubt, schließlich leben wir in einem Rechtsstaat, in einer Demokratie. Doch ist es falsch die Schwachen zu schützen, wenn der Staat es offensichtlich nicht kann. Im Buch ist die Masse begeistert von den Taten des Todesengels, wäre ich es auch?

Beim hören des Buches dachte ich oft an meine Lektüre zu „Winter in Maine“. Auch hier zieht der Protagonist los und erschießt die vermeintlichen Mörder seines Hundes. Auch hier war ich auf der Seite, des Protagonisten, ich habe mit ihm um seinen Hund getrauert und konnte sein Motiv verstehen.

Wer schützt denn die Opfer? Ist ein Todesengel da nicht eine gute Sache? Auf der anderen Seite sind die meisten doch gegen die Todesstrafe in Deutschland. Eine Zwickmühle in die Eschbach uns bringt. Sehr klug geschrieben und ich bin wirklich sehr emotional geworden.

Ein bewegendes Hörbuch ohne Frage, mit klug gemachten Verstrickungen von Personen und Handlungen. Relativ schnell ist klar, wer der Racheengel ist und auch das Motiv steht nicht bis zum Schluss in den Sternen, aber diese klassische „Wer ist der Täter und warum tut er das?“ Frage ist auch gar nicht Eschbachs Hauptintension um ein spannenden Abschluss zu bekommen. Der Knalleffekt wird durch etwas ganz anders erreicht.

Er spielt mit den gesellschaftlichen Fragen, was ist richtig und was ist falsch? Gibt es Gerechtigkeit vor Gericht? Werden Opfer geschützt oder doch eher die Täter?

Das Ende war für mich ein richtiger Schock, ein Augenöffner und alles was ich vorher dachte, all die Emotionen die Eschbach so klug in mir hat hochkochen lassen, haben sich mit einem Schlag in Luft aufgelöst. Ich dachte nur noch: „Natürlich… Wie konnte ich je etwas andres glauben.“

Fazit: Ein lesens- bzw. hörenswertes Buch. Es ist aufwühlend und macht nachdenklich. Es macht wütend und es spielt mit uns. Keine leichte Kost aber eine sehr gut umgesetzte Idee, die den Zeitgeist trifft.

 

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