|Rezi| Liebe ist was für Idioten. Wie mich. von Sabine Schoder

Autor: Sabine Schoder
Verlag: Fischer Juli 2015
Seiten: 352
Genre: Gegenwartsliteratur/ Jugendbuch
Vom Verlag empfohlenes Alter: ab 14 Jahre
Preis: Taschenbuch: 12,99 € z.B. >hier*<
Reiheninfo: –

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Meine Meinung:

Heute möchte ich Euch ein Buch vorstellen, auf das ich sehr gespannt war, weil es richtig gute Kritiken bekommen hat und mich vom Titel und von der Aufmachung sehr angesprochen hat. Es geht um Liebe ist was für Idioten. Wie mich. von Sabine Schoder. Dieses Buch war wirklich ganz anderes als erwartet, denn ich habe weder mit dem Verlauf der Geschichte gerechnet noch mit dem Ausgang.

Es geht in diesem Buch um die siebzehnjährige Viki, die in ihrem Leben schon viel mitgemacht hat. Ihre Mutter ist gestorben, als Viki noch ein kleines Kind war und ihr Vater hat daraufhin das Trinken angefangen. Viki hatte immer nur ihre Cousine Mel, die ihr Familienersatz geworden ist und bei der sie sich wohlfühlte. Mit Mel konnte sie reden, bei ihr hat sie Weihnachten gefeiert und Mel konnte sie vertrauen.
Auf einer Party trifft Viki Jay. Total bekifft landet sie mit ihm im Bett und am nächsten morgen findet sie sich in seinem Haus wieder. Jay Feretty ist Mitglied der extrem coolen und mega angesagten Schulband Major Malfunction und Viki kann ihn nicht leiden. Da sie sich nur noch an Bruchstücke dieser Nacht erinnern kann, packt sie am morgen ihre Sachen und verschwindet, dabei trifft sie im Haus noch auf Jay´s Mutter, der sie noch schnell steckt, dass ihr Sohn wohl ein kleines Drogenproblem hat und hofft, dass sie von Jay nie wieder etwas hört. Doch, falsch gedacht, denn Jay meldet sich ganz unerwartet bei Viki. Er ist natürlich sauer wegen des Spruchs aber ihm scheint doch auch etwas an Viki zu liegen und die Beiden verabreden sich auf einen Kaffee. Bis hier ist es eine relativ normale Story, doch dann muss Viki in einen Förderkurs in der Schule und dort bekommt sie ein Buch, das mit Sprüchen voll gekritzelt ist. Es ist das Buch von Jay. Jay, der vor kurzem noch auf ihre Schule ging. Und nun von heute auf morgen die Schule verlassen hat. Jay, der nicht mehr bei Major Malfunction spielt und der nicht mehr mit seinen Freunden redet. Hat Vikis „Drogenspruch“ damit zu tun? Sie beschließt sich bei Jays Mutter zu entschuldigen, doch was steckt wirklich hinter Jay´s plötzlichem Abgang?

Zeig mir deine Freunde, und ich sage dir, wer du bist.

Viki ist für mich eine richtig tolle Protagonistin. Sie ist taff und wenn man liest wie sie lebt und unter welchen Umständen sie aufgewachsen ist, dann tut sie einem zwar leid, aber sie gibt dem Leser nicht wirklich Grund sie zu bemitleiden. Sie ist stark, sie kämpft sich durch, ohne dabei unsympathisch zu werden und was das tollste ist, sie kann lieben. Obwohl man das von ihr nicht mehr erwarten würden, wenn man von ihren Erlebnissen mit ihrem Vater liest. Wie die Autorin das am Ende gelöst hat, hat mir ebenfalls sehr gut gefallen.
Mein Herz-schmerz-moment war übrigens, als Jay mit seiner Mutter in der Küche steht und die beiden sich umarmen. Viki beobachtet diese Szene und sie denkt:

Ein Gefühl überwältigt mich. Kaltes, flüssiges Licht, das durch mein Innerstes rauscht und die dunklen Ecken füllt. Worte steigen darin zur Oberfläche, eine blendende Erkenntnis: Dir fehlt was, Viki. Etwas Wichtiges.

Sie erlebt bei Jay was eine Familie ist. Auch wenn hier irgendetwas nicht zu stimmen scheint. Es gibt warmes Essen und alle kochen gemeinsam, man unterhält sich und es liegt kein Müll oder leere Bierflaschen in der Wohnung herum, wie es bei ihr zu Hause der Fall ist.

Niemand hat mir gesagt, dass man auch Tannenbäume und Geschenke verliert, wenn Mama stirbt.

Aber dann spukt man plötzlich Blut in den Vanillepudding und die Warnungen werden so deutlich wie ein Stoppschild vor der Kreuzung, an dem man mit Vollgas vorbeigebrettert ist.

Jay ist über lange Strecken in dem Buch sehr undurchschaubar, was aber auch so sein soll, da das Buch aus Vikis Sicht geschrieben ist. So bekommen wir als Leser eben auch nur die Informationen, die Viki von Jay bekommt und das sind nicht viele. Man merkt, dass er sie wirklich mag. Aber er hat ein Geheimnis und genau wie Viki tappen wir im Dunkeln. Jay redet über Themen über die er reden möchte und wenn es zu speziell wird, dann blockt er. Was verbirgt Jay? Ich hatte eine Vorahnung und doch habe ich auch immer wieder in andere Richtungen gedacht. Ich hatte meine Bedenken ob man Jay trauen kann oder nicht, ebenso wie Viki.
Die Autorin spielt mit uns Lesern und sie beschert uns so einige fiese Schockmomente.

Die Beziehung zwischen Jay und Viki fand ich trotzdem super! Sie ist so authentisch und sie hat mich selbst so richtig an meine Jugend erinnert. Sie ist zwar auf der einen Seite typisch Teenie, aber zum Glück frei von Kitsch und auch frei von irgendwelchen an den Haaren herbeigezogenen, unnötigen Dreiecksbeziehungen oder irgendwelchen belanglosen Eifersuchtsszenen. Sehr, sehr gelungen!

Besonders an diesem Buch sind neben den starken Charakteren und der tollen Schreibweise auch die Kapitelüberschriften, die z.B. heißen:

Ich will andere Menschen nicht mit mir anstecken.

Fazit:
Dieses Buch steckt voller wunderschöner Sätze, die man im ersten Moment, zwischen den ganzen negativen Dingen, die passieren vielleicht gar nicht sieht. Aber dieses Buch schreit: Leben! Es ist traurig, es ist schokierend, es ist angsteinflössend aber vor allem ist es voller Hoffnung und voller Leben und es ist wundervoll! Eins der Besten, wenn nicht sogar das beste Jugendbuch, das ich in diesem Jahr gelesen habe.

Trauigkeit ist wie Wein. Sie lässt sich in Fässer füllen und tief im Inneren lagern, wo sie mit den Jahren zu Apathie und vermeintlicher Stärke gärt. Bis sie eines Tages kippt. Sich in Essig verwandelt, das Herz übersäuert, die Seele vergiftet. Und nur ein Ausweg bleibt: sich in Tränen zu übergeben.

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