:: Rezension :: All die verdammt perfekten Tage

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Autor: Jennifer Niven // Aus dem Amerikanischen von Alexandra Ernst // Originaltitel: All the bright places // Seiten: 400 // Verlag: Limes 28.12.2015 // Genre: Jugendbuch // ISBN: 9783809026570 // Paperback, Klappenbroschur: € 14,99 [D] € 15,50 [A] | CHF 20,50* (* empf. VK-Preis)

Darum geht´s:

Ist heute ein guter Tag zum Sterben?, fragt sich Finch, sechs Stockwerke über dem Abgrund auf einem Glockenturm, als er plötzlich bemerkt, dass er nicht allein ist. Neben ihm steht Violet, die offenbar über dasselbe nachdenkt wie er. Von da an beginnt für die beiden eine Reise, auf der sie wunderschöne wie traurige Dinge erleben und großartige sowie kleine Augenblicke – das Leben eben. So passiert es auch, dass Finch bei Violet er selbst sein kann – ein verwegener, witziger und lebenslustiger Typ, nicht der Freak, für den alle ihn halten. Und es ist Finch, der Violet dazu bringt, jeden einzelnen Moment zu genießen. Aber während Violet anfängt, das Leben wieder für sich zu entdecken, beginnt Finchs Welt allmählich zu schwinden…

Erster Satz:

„Ist heute ein guter Tag zum Sterben?“

Meine Meinung:

Das Thema Selbstmord in Jugendbüchern ist längst nichts neues mehr, eigentlich ist es sogar schon fast ein alter Hut. Trotzdem habe ich zu All die verdammt perfekten Tage gegriffen und war neugierig, ob mich Jennifer Niven mit ihrer Geschichte überzeugen kann. Und ja, das hat sie tatsächlich geschafft. Das Buch ist so wundervoll geschrieben, dass ich mir beim lesen Zeit gelassen habe, um keinen Satz zu verpassen.

„Du bist alle Farben auf der Welt in ihrer ganzen Herrlichkeit.“

Es geht um Theodor Finch, der von allen nur Freak genannt wird und der eines Tages Violet Marckey auf dem Glockenturm seiner Schule antrifft, weil sie sich ganz offensichtlich das Leben nehmen will. Theodor hat zwar selbst den gleichen Plan, dennoch rettet er Violet. Er redet auf sie ein und sie steigt vom Turm. Für alle anderen Mitschüler, die das Geschehen von unten beobachten, sieht es so aus, als hätte Violet Finch gerettet. Da er sowieso der Außenseiter ist, und sie nicht in Schwierigkeiten bringen will, lassen die beiden es bei dieser Version. Doch das Erlebnis auf dem Turm, hat die beiden einander näher gebracht und so entwickelt sich ganz langsam, eine ganz zarte Freundschaft, aus der später dann sogar mehr wird. Auch wenn die beiden nicht unterschiedlicher sein könnten, finde ich dass sie gut zusammen passen.Theodor sorgt dafür, dass Violet wieder anfängt zu schreiben und auch wieder in ein Auto steigt, denn ihr Selbstmordversuch hat mit dem Tod ihrer Schwester zu tun, den sie noch nicht verarbeiten konnte.

„Kein Winter mehr, nie mehr. Du hast mir den Frühling gebracht, Finch.“

Es könnte also alles schön sein, aber während Theodor Violet wieder ins Leben zurück holt, kann er sich irgendwie nicht aufraffen und seinen Worten folgen. Er leidet ganz offensichtlich an einer manischen Depression, will sich aber nicht in eine Schublade stecken lassen und nimmt darum auch keine echte Hilfe an. Diese Krankheit ist so abgrundtief fies und wenn man selbst nicht betroffen ist, dann kann man als Angehöriger eigentlich nur wenig machen. Auch Violet kann Theodor nicht wirklich helfen. Und so merkt man zwar, dass er leben will, es aber nicht wirklich kann.

„Ich frage mich, ob ich rückwärts zählen kann, ob ich zurückgehen und Violet Marckey mitnehmen könnte, mich dann wieder vorwärts bewegen – mit ihr – , damit wir mehr Zeit haben. Denn es ist die Zeit, vor der ich mich fürchte.“

Ich finde das hat die Autorin sehr gut dargestellt und so beschrieben, wie auch ich es aus meinem privaten Umfeld kenne. Mit Worten dringt man selten zu Menschen mit diesem Leiden durch. Theodor wirkt oft unbeschwert und frei, ja sogar lebensfroh, aber tief im Inneren zerreißt es ihn. Theodor ist extrem, in allem was er macht. Er ist ein Künstler, ein kluger Kerl, aber auch sehr aufbrausend und verliert schnell die Beherrschung.

„Keiner von uns weiß, wie lange er hat, vielleicht einen Monat, vielleicht noch fünfzig Jahre. Ich lebe gerne so, als ob mir nur noch zwei Tage bleiben würden.“

Ich finde, dass die Gefühle, vor allem von Finch,  so perfekt rübergebracht werden, wie ich es selten in einem Jugendbuch gelesen habe. Mein gesamtes Buch ist mit Post-its geschmückt, weil ich beim Lesen immer wieder auf Sätze gestoßen bin, die ich mir raus schreiben will. Hinzu kommt, dass das Buch immer Kapitelweise im Wechsel aus Theodors und aus Violets Sicht geschrieben ist, so bekommt man als Leser ein sehr gutes Fremd- und Selbstbild der beiden Hauptfiguren.

„Ich weiß genau, dass er mir nicht folgen kann, obwohl ich mir sage, dass er einen Weg findet, wenn er mich wirklich liebt.“

Fazit:

Dieses Buch hat mich tief berührt. Es ist so wunderbar geschrieben, die Figuren sind so lebensecht gezeichnet und die Worte, die die Autorin wählt sind einfach nur großartig. Ein sehr trauriges Buch, aber auch ein sehr echtes.

„Du machst mich besonders, und Gott weiß, dass ich mich danach sehne, für dich besonders zu sein.“

5sterne

Vielen Dank an den Limes Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares.

 

 

|Rezension| Du bist das Gegenteil von allem von Carmen Rodrigues

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Du bist das Gegenteil von allem

Autor: Carmen Rodrigues
Originaltitel: 34 Pieces of You
Aus dem Englischen von Katarina Ganslandt
Verlag: cbt (30. März 2015)
Seiten: 384
Genre: Jugendbuch
vom Hersteller empfohlenes Alter: ab 14 Jahre
Preis: 16,99 €

Darum geht´s:

Und ich lag da, erdrückt vom Gewicht meiner Angst

Die 16-jährige Ellie hatte etwas Besonderes an sich. Etwas Dunkles, Charismatisches, Gebrochenes … Jetzt ist sie tot. Gestorben an einer Überdosis Tabletten. Zurück bleiben ihr Bruder Jake, ihre beste Freundin Sarah und deren jüngere Schwester Jess – und vierunddreißig Zettel von Ellie in einem Schuhkarton. Vierunddreißig Hinweise, die Ellie hinterlassen hat. Vierunddreißig Geheimnisse eines viel zu kurzen Lebens voller Schmerz. Auf der Suche nach dem Warum müssen sich Jake, Sarah und Jess nicht nur ihren eigenen Abgründen stellen, sondern auch dem, was Ellie so lange vor ihnen verborgen hat …

Quelle: Verlagsgruppe Randomhouse – Cbt

Erster Satz:

Jessie – November

An dem Samstag schreckte ich mitten in der Nacht aus dem Schlaf, weil draußen Krankenwagensirenen heulten, unten jemand an der Tür klingelte und Mattie weinte.“

Meine Meinung:

Selbstmord in Jugendbüchern ist immer mal wieder ein Thema und gerade im Moment wird der Buchmarkt mit Büchern, in denen es um Selbstmord geht, geradezu überschwemmt. Ich finde es wichtig, dass darüber geschrieben und gesprochen wird. Gerade in der Zeit des Erwachsenwerdens, kommen bei vielen Jugendlichen diese Gedanken. Teilweise wird der Freitod in Büchern sogar romantisiert, was ich persönlich total daneben finde und dann gibt es zum Glück auch Bücher, die sich mit der unschönen Wahrheit des Themas auseinander setzten. Du bist das Gegenteil von allem ist so ein Buch.

Ellie ist an einer Überdosis Tabletten gestorben und lässt ihre Familie und ihre Freunde zurück, die in einem Schuhkarton 34 Notizen von Ellie finden. Notizen, die der Leser zunächst ohne Zusammenhang um die Ohren gehauen bekommt

 S. 176 „Der Hello-Kitty-Sticker erinnert mich daran, wie ich mich als Elfjährige gefühlt habe. Wie es sich angefühlt hat, als noch alles okay war und sich noch nicht so viele Gedanken in meinem Kopf drängten. Und du, du erinnerst mich auch daran.“

Das Buch ist sehr einfach geschrieben und es enthält viele Dialoge, darum kann man es schnell lesen. Trotzdem bin ich oft gestolpert. Über die Protagonisten und ihre Beziehung zueinander. Denn hier war mir nicht immer gleich klar, wer hier wie, zu wem steht.
Da gibt es Sarah – Ellies beste Freundin, die seit Ellies Tod in therapeutischer Behandlung ist, weil sie bei dem Tod von Ellie dabei war und ebenfalls eine Überdosis Tabletten nahm, dies aber überlebte.
Jessie – die Schwester von Sarah, die eine ganz besondere Beziehung zu Ellie hatte.
Lola – Jessies beste Freundin (die ein paar ganz „tolle“ Diättipps auf Lager hat)
Jake – Ellies Bruder
Tommy – Sarahs Freund
Leider war mir keiner aus dieser Clique sonderlich sympathisch und Ellie schon gar nicht. Sie war ein trauriges, wütendes und ziemlich frustriertes Mädchen. Natürlich schreibt die Autorin, wie es dazu kam, dass Ellie ist wie sie ist. Die Mutter ist bereits zum wiederholten Male verheiratet, ihr Vater ist weg und ihr Bruder, der immer die Konstante in ihrem Leben war verlässt sie nun auch um möglichst weit entfernt zu studieren.
Doch trotzdem hat Ellie mich in den Rückblenden ziemlich genervt. Ihre Art, wie sie mit anderen Menschen umgeht und ihre Taten waren einfach nur anstrengend.
Dazu kommt, dass ich den roten Faden oft verloren habe, weil es so viele Sichtweisen auf die Ereignisse und so viele Zeitsprünge gibt. Und so muss man immer wieder überlegen, wer gerade erzählt und wann. Ich hatte irgendwann auch einfach keine Lust mehr zu lesen und musste mich regelrecht aufraffen. Klar, die Jugendlichen fallen nach Ellies Tod alle in ein tiefes Loch und jeder versucht auf seine Art damit klar zu kommen. Die Autorin schneidet auch hier sehr ernste Themen, wie Essstörungen und Ritzen an. Das ist ziemlich bedrückend zu lesen und auch total frustrierend, weil dabei alle Figuren, so total unnahbar bleiben.
Die Notizen waren für mich auch nicht gerade hilfreich, da ich nie wusste wen Ellie jetzt genau meint. Sie verwirren eher, als dass sie aufklären. Am Ende wird dann doch noch klar, für wen die Zettel waren, aber selbst da habe ich mich noch gefragt ob sie tatsächlich alle für eine Person sind ?!

Bester Satz:

S. 370 „Für seine eigenen Entscheidungen ist jeder Mensch selbst verantwortlich.“

 Fazit:

Die Idee des Buchs gefällt mir sehr, allerdings hat mir die Umsetzung nicht gefallen. Zu oft habe ich mich über die Charaktere geärgert und so richtig Spannung oder Mitgefühl kam beim Lesen nicht auf. Die negativen Ereignisse überwiegen und eine echte Hilfe aus diesem Kreislauf heraus zu kommen, kann die Autorin nicht bieten.

Vielen Dank an den cbt Verlag für dieses Rezensionsexemplar!

 

|Rezension| Wir wollten nichts. Wir wollten alles von Sanne Munk Jensen und Glenn Ringtved

Wir wollten nichts. Wir wollten alleswirwollte
Autor: Sanne Munk Jensen, Glenn Ringtved
Aus dem Dänischen von Ulrich Sonnenberg
Verlag: Oetinger (Januar 2015)
Seiten: 336
Genre: Jugendbuch
vom Hersteller empfohlenes Alter: ab 16 Jahre
Preis: 16,99 €

Darum geht`s:
Die Leichen von Louise und Liam werden aus dem Limfjord gezogen. Mit Handschellen aneinander befestigt werden die Jugendlichen geborgen. Was ist passiert? War es Selbstmord oder Mord. Louises Vater gibt Liam die Schuld und macht sich selbst auf die Suche nach der Wahrheit, während der Leser die Geschichte aus Louises Sicht erzählt bekommt. Die ist nämlich noch da, also nicht wirklich, aber ihr Geist und der muss nun mit ansehen, wie ihre und Liams Familie mit ihrem Tod klar kommen müssen.

 

Erster Satz:

„Als sie uns aus dem Limfjord ziehen, hängen wir noch immer aneinander.“

Meine Meinung:

Ich habe mir, bevor ich dieses Buch in der Bücherei entdeckte, weder eine Rezension noch den Klappentext durchgelesen. Ich hatte das Buch auf mehreren Blogs gesehen und dachte mir, egal nimm es einfach mal mit. Als ich dann die ersten Seiten gelesen hatte und ich mir das Buch noch einmal anschaute, sind mir die beiden Personen auf dem Cover erst richtig aufgefallen. Die Handschellen habe ich erst dann entdeckt.
Liam und Louise sind bereits am Anfang des Buches tot. Wir als Leser können nicht mehr darauf hoffen, dass die Story ein gutes Ende nimmt. Louises Geist ist aber noch da und muss mit ansehen, wie die Leichen aus dem Wasser geborgen werden, wie ihre Eltern reagieren und was dann aus ihrer Familie wird. So erfahren wir aus ihrer Sicht wie es dazu kam, dass sie nun nicht mehr lebt.

„Sie sind wie drei verirrte Satelliten im Universum. Meine Mutter, mein Vater und Ian.“ S. 146

Zu Beginn hatte ich etwas Schwierigkeiten mit dem Schreibstil. Immer wenn von Liams Vater Ian die Rede ist bzw. wenn er zitiert wird, switchen die Autoren ins Englische. Es sind einfache Sätze mit einfachen englischen Wörtern, die man wirklich gut versteht aber es hat mich doch immer wieder aus meinem Lese-Rhythmus gebracht und mich gebremst. Was mich etwas geärgert hat.

Als Liam und Louise sich begegnen ist es Liebe auf den ersten Blick. Louise, das eher schüchterne und zurückhaltende junge Mädchen trifft auf Liam, den coolen Bad Boy. Louise kommt aus gutem Haus, während Liam, der aus einer Irischen Einwanderer Familie stammt, in einfachen Verhältnissen groß wurde. Im ersten Moment mag das so klingen wie tausend andere Jugendbücher. Good Girl und Bad Boy verlieben sich und sie würde alles für ihn tun. Ein bisschen ist das auch hier so, nur das Ende der Geschichte ein wenig anders und die Story etwas härter ist als andere Jugendbücher.

„…die Menschen gehen langsam und schauen furchtsam auf den Sarg, sie erschaudern und denken, so sollte es nicht sein, so ein kleines Mädchen sollte nicht in einem Sarg liegen. Sie hätten ebenso gut zu meiner Hochzeit kommen können. Das hier ist einfach nur falsch, grundfalsch.“ S. 55

Als die beiden schon eine Weile zusammen sind, will Liam ihrem Glück etwas nachhelfen Er will unabhängig sein und sein eigener Chef. Darum beschließt er mit seinem Kumpel Jeppe Drogen zu verkaufen. Wie unabhängig sie sich damit machen, werden sie noch schmerzlich erfahren, denn sie geraten zu tief in die Fänge der Hintermänner.

„Wir haben damals einfach eine falsche Entscheidung getroffen, sie und ich.“

S. 294 (Cille, Louises Freundin zu Lousies Vater)

Während Liam und Jeppe Pläne schmieden und vom großen Geld träumen, hat man als Leser das Gefühl Louise wäre gar nicht da. Sie sitzt daneben, aber sie macht nichts. Sie widerspricht nicht und nickt nur stumm. Liam ist der König ihrer Welt und sonst zählt nichts mehr. Was Liam sagt, klingt für Louise alles richtig. Liam sagt ihr z.B. sie soll von der Schule abgehen und Louise macht es. Hier kommt mir das alte Sprichwort in den Sinn: „Wenn einer sagt du sollst von der Brücke springen, springst du dann?“ Ein Satz, der dazu anregen soll, dass man seinen eigenen Kopf einschalten sollte bevor man tut, was andere sagen. Doch Louise ist Liam hoffnungslos verfallen und nennt es Liebe. Einen eigenen Kopf scheint sie nicht mehr zu haben. Am Ende des Buches versucht sie dann auch noch ihrem Freund aus dem Schlamassel zu retten, in das er sich selbst gebracht hat und setzt damit ihrer Beziehung sowie sich selbst und ihrer Unabhängigkeit die Krone auf. Und das während Liam natürlich nur das Beste für Louise will… Ja, er glaubt das wirklich.

„Ich und Liam. Es war tatsächlich das Wichtigste. Es war wichtiger als alles andere.“ S. 271

Die beiden Protagonisten sind nicht meine Freunde geworden. Sie sind mir beide einfach viel zu naiv. Mal sie mehr als er und mal er mehr als sie. Klar, sie sind jung und wollen die Welt erobern aber so ein bisschen nachdenken kann manchmal wirklich nicht schaden. Ich konnte einfach immer nur den Kopf schütteln, vor Wut und Unverständniss für die Beiden.

Dieses Buch ist nichts für schwache Nerven und ich persönlich finde, dass das empfohlene Alter von 16 Jahren schon sehr gewagt ist. Hier werden, ähnlich wie bei „Der Märchenerzähler“ von Antonia Michaelis (zu meiner Rezi geht es >hier<), Dinge und Taten als echte, wahre Liebe dargestellt, die meiner Meinung nach grenzwertig sind.  Jugendlichen sollte so etwas nicht als echte Liebe verkauft werden. Irgendwann bei der Mitte das Buches, dachte ich, Ok, ich weiß warum die Autoren das machen, aber dann dieses Ende… Da ich nicht spoilern möchte, kann ich leider nicht näher darauf eingehen, aber ich finde das Ende hat es dann wieder kaputt gemacht.

Außerdem werden extreme, sexuelle Handlungen beschrieben (Auch hier will ich nicht spoilern, aber für diejenigen, die dass Buch kennen, ist da z.B. die Sache auf S.115), die meiner Meinung nach auch noch nichts für 16jährige sind, weil es ganz einfach viel zu krass ist.

Auf der anderen Seite übt die Geschichte natürlich eine starke Sogwirkung auf den Leser aus. Es ist extrem ekelhaft und schrecklich zu lesen z.B. die Stelle an der Jeppe seine Schulden nicht mehr bezahlen kann und er dem Drogenboss für den Anfang einen Finger besorgen soll. Spätestens an der Stelle, an der Liam tätig wird, möchte man Louise einfach schütteln und ihr zurufen: „Mach dass du schnell wegkommst!“
Aber es ist nicht nur heftig, was Liam und Louise getan haben. Ich fand es auch sehr schwer zu verdauen, wie Louises Eltern mit ihrer Trauer umgehen. Auch hier werden Szenen beschrieben, bei denen ich das Buch kurz zuklappen musste.

Fazit:

Grenzwertig. Auf der einen Seite total faszinierend und erschreckend zugleich auf der anderen Seite ist es meiner Meinung nach eine Spur zu krass für ein Jugendbuch. Ich würde es einem 16 jährigen nicht empfehlen. Erwachsenen jedoch irgendwie schon, einfach weil es so anderes und so heftig ist.

Wer „Der Märchenerzähler“ mochte, der wird sicher auch mit diesem Buch sehr glücklich.

Zum Buchtrailer:

[Rezension] Paint it black – Janet Fitch (Hörbuch)

Paint it black

Autor: Janet Fitch
Verlag: Hachette Audio
Dauer: 6 Stunden 23 Minuten
Sprecher: Jennifer Jason Leigh
Genre: Gegenwartsliteratur
Sprache: englisch

Darum geht´s:

Josie Tyrell verliert ihren Freund Michael Faraday. Michael ist plötzlich fort, einfach gegangen, er hat sich das Leben genommen. Er hat sie verlassen. Josie steht vor einem Trümmerhaufen aus Trauer, Wut, Verzweiflung und der immer und immer wiederkehrenden Frage: Warum?

Meine Meinung:

Janet Fitch kann schreiben, dass hat sie in „Weißer Oleander“ bereits bewiesen und nachdem Katarina >hier< so von Paint it black geschwärmt hat, war für mich klar, dass ich auch dieses Buch von Fitch, nicht lesen, nein hören (!!) muss. Paint it black ist ein sprachliches Meisterwerk. Die Autorin berührt mit ihrer tragischen und doch leider so normalen Story mein Herz. Es geht, wie oben bereits beschrieben, um Josie und um den Selbstmord ihres Freundes Michael. Die Protagonistin versucht einen Weg aus der Trauer zu finden und alles was ihr von Michael geblieben ist, ist seine Mutter Meredith. Allerdings ist die ihr keine große Hilfe. Denn anstatt mit Josie zu Trauern, schiebt sie ihr die Schuld zu und macht ihr Vorwürfe. Meredith ist kalt, mächtig und angsteinflössend aber auch verbittert und eine Frau die man als Leser/Hörer nicht wirklich mögen kann.

Ich konnte mich gut in Josie hineinversetzen und habe mit ihr gelitten. Ich habe sie gespürt, ihre Wut, ihre Verzweiflung und ihren Schmerz, aber auch ihren Hass auf Michael, weil er es sich so leicht und ihr so schwer gemacht hat. Fitch fängt all diese Gefühle perfekt ein und verpackt sie sorgfältig in Sätzen wie diesen:

„And yet, she was right. It was what she deserved. She hadn’t saved him, she shouldn’t be here.”

“She lay on the couch, smoking her Gauloise. The cigarettes he smoked. The smell of Paris. They were going to go to Paris…. But no, they weren’t. You goddamn stupid Motherfucker. What did he think he was doing? What was on his fucking mind. Here, here is my dark world. You carry it for a change. I´m out.”

“But what would she pray now? Sleep well, asshole? Thanks for leaving me here all alone”

Obwohl das Buch keine wirkliche Handlung hat, sondern sich gute  6,5 Stunden mit Josies Gefühlen und ihrem Umgang mit dem Verlust beschäftigt, war es mir nie langweilig. Ich musste weiter hören, wollte weiter leiden.

Das Hörbuch:

Ich habe das Hörbuch in der englischen Fassung gehört, weil ich mir Anna Thalbach, die das deutsche Hörbuch liest, ehrlich gesagt für diese Rolle nicht vorstellen kann. Mit der englischen Sprecherin Jennifer Jason Leigh war ich mehr als zufrieden. Sie passt perfekt zu Josie und sie bringt die schwermütige Stimmung optimal rüber.

Fazit:

Ein wortgewaltiges Meisterstück, das nicht mit einer außergewöhnliche Handlung oder gar besonders viel Aktion punktet, sondern durch eine ganze Menge tragischer, verzweifelter und unglaublich gewaltiger Gefühle aus der Menge herausragt.

5sterne

Gehört und rezensiert für die Hörbuch-Challenge 2013

[Rezension] Die Landkarte der Liebe von Lucy Clarke

Die Landkarte der Liebe

Autro: Lucy Clarke
Verlag: Pieper (Oktober 2012)
Seiten: 352 Seiten
Sprache: Deutsch
Genre: Gegenwartsliteratur
Originaltitel: Swimming at night

Rezension PiMi:

Katies Welt gerät aus den Fugen, als sie mitten in der Nacht vom Tod ihrer Schwester Mia erfährt. Auf Bali ist diese von den Klippen gestürzt und es deutet alles auf Selbstmord hin. Katie will das nicht glauben, warum sollte ihre lebensfrohe kleine Schwester Selbstmord begehen? Und warum ist sie auf Bali gewesen? Sie sollte doch mit Finn in Australien sein. Mias Reisetagebuch, das sie mit auf ihre Weltreise genommen hat, ist alles was Katie nun noch bleibt, um den Tod ihrer Schwester zu enträtseln. Mit diesem kleinen Buch und jeder Menge Fragen fliegt sie Mia hinterher, dorthin wo die die leeren Seiten mit Leben gefüllt wurden.

S. 27 „ Die meisten Menschen verreisen aus zwei Gründen:  Sie suchen etwas, oder sie fliehen vor etwas. Für mich gilt beides.“

Der Titel hat mich zunächst total abgeschreckt aber zum Glück konnte mich die Leseprobe und auch der Klappentext überzeugen das Buch doch zu lesen, denn Lucy Clarke hat eine ganz tolle Art zu schreiben. Sie bringt den Leser direkt an traumhafte Urlaubsorte, von Kalifornien über Maui nach Bali. Und trotz des traurigen Themas überkam mich sofort die Reiselust. Das liegt an Sätzen wie diesen:

S. 65/66 „Aus Lautsprechern an den ockerfarbenen Wänden ertönte Jazzmusik, und über allem lag ein amerikanisch eingefärbter Klangteppich. Katie stieg der Geruch von warmen Gewürzen und Duftreis in die Nase…“

Lucy Clarke macht es dem Leser leicht, traumhafte Bilder vor dem inneren Auge zu erzeugen.
Keine Frage, das Buch ist traurig und schwermütig, schließlich geht es um einen großen Verlust und um die Frage was dazu geführt hat. Ich konnte Katie so gut verstehen, weil immer und immer wieder die Frage in ihr aufkommt nach dem „Warum?“. Die Verzweiflung, dass sie ihr nicht mehr helfen konnte, war sehr gut nachzuempfinden und hat auch mit nicht unberührt gelassen.

Auf der anderen Seite schafft es Lucy Clarke aber auch, dass man mit einem guten Gefühl über die Seiten fliegt, sie vermittelt Hoffnung und Lebensfreude.

Das Buch ist aus Katies Sicht und auch aus Mias Sicht (allerdings ein Jahr zuvor) geschrieben, was ich super finde, da man sich komplett auf die beiden Schwestern einlassen kann. Die Tagebuchidee hat mir sehr gut gefallen und auch die Geheimnisse die die beiden Schwestern umgeben, waren für mich nicht zu weit hergeholt oder gar unrealistisch sondern schön bodenständig und gerade deshalb so glaubwürdig und tragisch.

Die beiden Schwestern werden außerdem absolut präzise dargestellt. Mia, die wilde schillernde Person, leidenschaftlich, spontan und mutig und Katie die wunderschöne, ordentliche und organisierte.

Das Buch handelt von Liebe und Freundschaft von der Suche danach wer man ist, es geht um Familie und Neid, um Trauer und um Verrat und Betrug. Toll zusammengefasst vor einer wunderschönen Kulisse zwischen Palmen, Sonne und Meer.

Fazit:  Mir hat die Landkarte der Liebe gut gefallen und ich hoffe nach diesem Debüt auf noch viel mehr Bücher von Lucy Clarke.

Vielen Dank an Vorablesen !